Binäro unleashed

Tweelbäke. Es ist der 30. Juli und der leere Kühlschrank (keine Milch aka Kuhshot mehr drin) schickt mich zum Empfang des dzo. Hier sitzt als Urlaubsvertretung der Chef – Rufzeichen „Commander“ – höchstpersönlich. Da er die internationale, noch nicht legitimierte Geste für „Milch ist alle“ nicht kennt, bitte ich um zwei Liter für die „Geschlossene“ im Erdgeschoss, damit der Wahnsinn für den Rest der Woche möglichst störfrei abläuft. Ich bekomme meine zwei Liter und bin gedanklich schon wieder im Quellcode, als eine Frage kommt, die mich überrumpelt: „Wann könnt ihr umziehen?“

Ja, da ist doch was notiert – irgendwas schrieb Mucks in großen Lettern auf das Whiteboard und Ako hatte im Vorfeld wohl im falschen Moment die Hand gehoben: Bürowechsel – ein Umzug in eine Etage darüber. Da die lieben Kollegen aber auswärts unterwegs sind, biete ich eine kurzfristige Abstimmung an. Ein Umzugsunternehmen solle mit „Schleppern“ wohl parat stehen und auf mein „Go“ warten. „Jawohl, Commander! Kurzfristige Abstimmung vollumfänglicher Umzugsmaßnahmen inhouse und damit verbundene, zeitnahe Räumung des aktuellen Büros im Erdgeschoss. Ich kümmere mich und melde mich im Laufe des Vormittags erneut.“ Ich ernte ein „so gefällt mir das“ und schon bekommt mein Kaffee in der Küche seinen Kuhshot.

Die Abstimmung mit der Crew geht schnell. Ich überblicke das Büro und gebe dem Commander des dzo grünes Licht – let's play bzw. Rock'n'Roll, dieses Umzugsunternehmen soll anrücken und nach erteilter Meldung widme ich mich meinem Quellcode. Es dauert aber keine dreißig Minuten, da steht der Commander im Büro, trägt zwei kleine Transporttrolleys unterm Arm und wirkt bestürzt: das Umzugsunternehmen würde das dzo im Regen stehen lassen und kneift. Pfft – was für unzuverlässige Knallkörper in ihren Aushilfsamöben-Kostümen, echt mal! Aber ich bekäme jetzt schon mal zwei Transporttrolleys und um 11:45 Uhr würde ich Verstärkung bekommen, um das schwere Zeug bewegen zu können. Es folgen unnötige Entschuldigungen für die Situation, Lösungsansätze und sogar ein Hauch Zuspruch – aber ich stelle nur eine Frage und blicke auf die Uhr (10:15 Uhr): „Ist das Büro oben bereits offen?“, während ich mein Hemd ausziehe (Ladies, darunter war noch ein T-Shirt – ganz ruhig bleiben!).

Keine Umzugskartons. Wohin also mit dem ganzen Kleinkram, Ventilatoren, Aktenordnern, Whiteboard-Stiften, Reinigungsmitteln, ... boah, der Mucks und seine Leergutannahme zwischen Tisch und Beistellschrank. Ich improvisiere mir Möglichkeiten aus Papiermülleimer, eigenem Rucksack, beseele Kartons unserer Aufsteller aus der Kampagne „Bester OldenBURGER 2019“ und alles, was in den Schränken ist, fasse ich mal gar nicht an – das muss 1:1 exakt so nach oben ... irgendwie. Schon ist der erste Minitrolley mit Zeug bestückt und auf geht's Richtung erstem Obergeschoss.

Das Büro im ersten Obergeschoss ist exakt genauso groß/klein wie zuvor. Nach Absprache mit der Crew soll alles so stehen wie zuvor – na, ich erlaube mir kosmetische Eingriffe und optimiere mit Sicherheit das eine oder andere. Da sind die Doppeltürer-Metallschränke samt Inhalt auch schon oben. Pffft, Kinderspiel! Ein Handgriff nach dem anderen sitzt, die vier Bürostühle bekommen ebenfalls kleinere Lasten aufgebürgt und mit Klettverschluss festgezurrt geht's für die dann auch schon rauf in die neue Lokalität. Thorsten, einer der lieb gewonnenen Nachbarn im Erdgeschoss, ist erstaunt, dass der Umzug stattfindet – bedauert dies aber zugleich. „Na, wir sind ja nicht weg – quasi nur oben drüber!“ Aber dennoch ist es schade – mir wird der eine oder andere Kurz-Schnack in der Küche im Erdgeschoss fehlen.

Tische. Ganze vier davon wollen mit ihren Beistellschränken nun bewegt werden, nachdem die drei großen Whiteboards umgezogen sind. Die zwei kleineren Tische aus einem schwedischen Möbeldiscounter der Marke Selbstbedienung und Bastel-dir-einen-daheim machen mir weniger Probleme. Die zwei Schwergewichte hingegen, die daneben stehen, sind da schon eine ganz andere Gewichtsklasse: jeweils zweieinhalb mal so groß wie die schwedischen Werkbänke und eben massivere Platten, schwerere Füße, Kabelkanäle und Metallverblender – yeah, jetzt wird's 'ne Party!

Das Meisterstück – der große Kicker-Tisch in seiner schweren Ausführung mit höhenverstellbaren Füßen, ungleichmäßig herausragenden Stangen für die Spielfiguren, allerdings ohne Ball – der wurde kurzerhand in eine der Schubladen verfrachtet. Ich verrate mal so viel: Durch die Tür passte dieser nicht so ohne Weiteres – aber Demontage war schlichtweg keine Option. Feingefühl, Augenmaß und so ein Trolley ... und dann war alles plötzlich oben.

Es ist 11:18 Uhr, als ich mir einen Schluck Wasser gönne und insgeheim hoffe, dass ich die neuen Nachbarn hier im ersten Obergeschoss nicht schon zu arg mit dem Umzug genervt habe. Abermals bzw. sogar erstmals gehe ich aus dem ersten Obergeschoss hinunter zum Empfang des dzo. Ich habe die beiden kleinen Trolleys unterm Arm und gebe diese dankend zurück, erwähne, dass das Helferlein ab 11:45 Uhr nicht mehr anreisen müsse und ich das Büro im Erdgeschoss als „geräumt“ melde. Zwei große Augen schauen mich fragend an: „Wie, alles schon raus – sogar die schweren Tische?“ Ich bejahe dies und ergänze, man müsse mal erleben, was ich mit einem 7,5 Tonner und zugehöriger Laderampe leiste – daher werte ich diesen Inhouse-Umzug als persönlichen Umzug Nr. 58. Die direkte Folgefrage, ob man mich buchen könne, quittiere ich mit einem Lächeln, deute Bezahlung mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand an und bestätige dies. Was für ein Tier ich doch wäre, ließ ich nun mal unkommentiert. Wichtig ist, dass nirgends Macken reingefahren sind, das Treppenhaus unbeschädigt und natürlich sämtliches Interieur nebst Hardware von uns ebenso verschont blieb.

Gegen die Mittagszeit taucht einer der Crew auf – man wolle motivierend auf mich Einreden beim Umzug. Binäro: „Motivation habe ich unlängst bewiesen, aber wie wäre es mit einem Kaffee?“